Im Tempel der Ratten – Karni-Mata-Tempel

Ein nicht eingeplantes, aber gerne erlebtes Ereignis unserer Reise durch das indische Bundesland Rajasthan, war der Besuch des Karni-Mata-Tempels in Deshnok, welcher auch als Rattentempel bekannt ist.

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Von außen strahlte uns das Gebäude äußerst pink entgegen, aber der Weltenbummler und ich gaben Indien ja nicht anders als farbenfroh kennengelernt. Um den Eingangsbereich herum, außerhalb des Tempels, gab es viele kleine Marktstände, die ebenso Handwerkszeuge für die Gläubigen verkauften, als auch Obst, Gemüse und Kitsch für die Touristen. Zumindest für diejenigen, die sich trauen – viele machen doch noch einen Rückzieher bei der Vorstellung, auf engstem Raum mit ca. 20.000 Ratten zu befinden (Oh ja, so viele Tierchen leben hier nämlich in etwa).

Aber warum eigentlich? Warum sind die Inder so verrückt, einen pinken Tempel zu bauen, in welchem 20.000 Ratten beherbert und bewirtet werden. Zum einen natürlich aufgrund ihrer Religion: Die Wiedergeburt ist im Hinduismus zentral – dein verstorbener Großvater könnte als eine der Ratten im Karni-Mata-Tempel wiedergeboren worden sein. Zum anderen geht die Entstehung des Tempels auf eine spezielle Legende zurück: Karni Mata ist eine Frau, die im 14./15. Jh. gelebt haben soll – bereits zu Lebzeiten wurde sie als heilige Person verehrt. Eines Tages brachte eine Fürstenfamilie ihren toten Sohn zu ihr, in der Hoffnung, sie könnte ihn wieder lebendig machen. Wie in Trance betete sie lange Zeit verzweifelt zum Totengott Yama, dass er ihr die Seele des Kindes gebe, damit es wieder auf der Erde wandeln könnte. Doch Yama blieb hart, wer einmal in sein Reich gekommen sei, könne im gleichen Körper nicht wieder auf der Erde wandeln. Darüber hinaus sei die Seele bereits in einem anderen Körper wiedergeboren. In Zukunft solle niemand mehr das Totenreich Yamas betreten, denn jeder der Deshnok stirbt, wird als Ratte wiedergeboren. Wer aber als Ratte stirbt, wird als Charan, als Sänger bzw. Musiker, weiterleben. Deswegen die Ratten.

Schuhe müssen hier genauso draußen bleiben, wie in den anderen Tempeln auch – ich würde es aber niemandem raten den Tempel barfuß zu betreten (so gerne ich dies in Thailand auch gemacht habe), der ganze Boden ist übersät mit krümeligem Rattenkot. Zur Vorsicht habe ich meine Socken nach dem Besuch entsorgt. (Fun-Fact-unseres-Guides: Deshnok sei die einzige Stadt in Indien gewesen, in der es keine Pest gab – und das trotz der vielen Ratten).

Mit etwas gesammeltem Mut habe ich schließlich den Tempel betreten und mich sogleich über die erste gesichtete Ratte gefreut:

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Da saß sie, gar nicht so groß wie eigentlich erwartet, und schaute den Touristen und Einheimischen zu, wie sie durch ihr Wohnzimmer spazierten. Ganz entspannt.

Es wurden dann immer mehr…

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… und mehr…

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… und noch mehr…

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… im Karni-Mata-Tempel sind sie einfach überall. Aber sie sind ganz lieb – nur eine hat versucht an meinem Fuß zu knabbern. Wem eine Ratte über die Füße läuft, dem gebührt übrigens besonderes Glück für die Zukunft. Das größte Glück steht aber jenen zu, die eine weiße Ratte sehen (das war uns leider nicht vergönnt – jetzt verstehe ich aber, warum manche Inder mit ihren Kleinkindern wie verrückt in den Katakomben rumgekrabbelt sind, auf der Suche nach der Glück bringenden weißen Ratte).

Über dem Innenhof ist übrigens ein Netz gespannt, welches Greifvögel daran hindern soll, sich eine der heiligen Ratten zu schnappen. (Weiterer Fun-Fact: Wenn eine Ratte den Tempel verlässt gilt sie als Ungeziefer und darf getötet werden. Tötet man ausversehen im Tempel eine Ratte, muss sie durch eine aus Silber oder Gold ersetzt und außerhalb des Tempels begraben werden).

Neben den Ratten war es aber auch interessant den Gläubigen im Tempel zuzuzsehen und ihre traditionelle Kleidung zu bewundern:

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Den krönenden Abschluss unseres Ausflugs bot das Probieren eines traditionellen Zuckerrohrsaftes – es war nicht schlecht, aber die „grüne Pampe“ (Zitat des Weltenbummlers) war nicht wirklich nach unserem Geschmack. Deswegen musste eine heilige Kuh für uns das Getränk ausschlürfen in Ermangelung eines Mülleimers.

Wer also mutig ist, sollte einen Besuch wagen und sich auf die Suche nach der weißen Ratte machen, um seinem Leben eine gehöre Portion Glück unterzumischen.

– Eure Weltenbummlerin ♥

 

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4 Kommentare zu „Im Tempel der Ratten – Karni-Mata-Tempel

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